Der glückliche Heroinist, der mir weiland in der Bahnhofsunterführung auffiel, zweiter Teil

© MMXVII A. N. Edelgranberget

Mir war also der Groschen gefallen, zumindest dachte ich dies ja zu jenem Zeitpunkt. Martin! Ich hätte es mir doch denken sollen. Er hatte es mir ja stets auf dem Silbertablett serviert, so als wolle er mir ein warnendes Beispiel sein, so als habe er damals schon durchschaut, dass ich, wie er, Pädagoge bin. Welch‘ schicksalhafte Verkettung von Augenblicken!

Wie recht er doch auch behalten hatte. Und doch! Wie er jetzt vor mir stand. Ganz als wolle er mir erneut Hoffnung schenken, als wolle er mir wieder einmal mein Jesus sein, nur diesmal mit einem edlen Aktenkoffer in der Hand, in der einst die Nadel zum Schuss ansetzte.

„Martin!“, rufe ich noch einmal, irgendwie dämlich aus, „setz‘ Dich zu Mir! Sag‘ wie ist es Dir nur ergangen?“.

Und Martin begibt sich ganz hemmungslos zu mir herab, breitete seinen burberry trenchcoat auf der Platte aus und lächelte mich an.

„Ja. Vielleicht kann ich Dir nochmal ein guter Freund und Ratgeber sein.“, sagt Martin strahlend. Wir schauen uns beide, erst noch ein bisschen scheu, eindringlich und stumm an. Dann fallen wir uns in die Arme.

„Für heute muss es dann aber doch schon wieder gut sein, Nagisa! Es hat mich so gefreut, Dich endlich wieder zu sehen, dass ich es endlich gewagt habe. Entschuldige Nagisa, für alles was ich Dir angetan habe. Ich will versuchen, es wieder gut zu machen, wenn Du mich nur lässt! Aber nun muss ich los! Denke darüber nach, ich komme morgen wieder, um siebzehn, ja? Ich muss leider noch einen Haufen Klassenarbeiten korrigieren…“, sagte er mit einem enttäuschten Unterton, „Ob Dich wohl die Heroine inzwischen Pünktlichkeit gelehrt haben mag?“

„Oh ja,“, schmunzle ich, „keine Sorge, ich werde da sein. Was ist übrigens aus den fünfundsiebzig Euro geworden, die Du mir noch schuldest?“

„Die bringe ich Dir morgen! Ich habe eh noch eine Überraschung für Dich. Du wirst Dich freuen, das glaubst Du noch gar nicht!“, erwiderte Martin grinsend, „Dann bis Morgen!“.

Achtes Kapitel

Es war Dienstag, 17:00 Uhr und ich saß auf meiner angeerbten Platte, verdiente mein Geld im Laden meines Ziehvaters, als Martin fröhlich angetanzt kam. Er war nicht allein! Deshalb war er mir auch erst so spät aufgefallen, und ich war umso überraschter, weil ich das nun wirklich nicht erwartet hätte. Da war Kristof, mein Bekannter aus Norwegen, den ich seinerzeit an der Uni in Norwegen kennen gelernt hatte und in Bulgarien im Urlaub zufällig wieder traf, dem ich geschrieben hatte, und er mir zurück! Wahrlich, was für eine Überraschung! Und dann war es mir sofort peinlich. Oh je, was sollte Kristof nur von mir denken.

Ich sprang dennoch voller Freude auf und umarmte beide herzlich, obwohl interessanter Weise auch Kristof, zwar ganz in Schwarz, aber chic, keinerlei Berührungsängste hatte. Martin hatte ihn vermutlich vorgewarnt.

„Freut mich, euch zu sehen! Setzt euch, da habe ich jedem eine Decke und allen einen Pappbecher!“, sage ich gelassen, „Kümmerst Du Dich um Kristof, falls er Fragen der Technik bezüglich hat?“. 

Wir setzten uns und sahen uns freundlich und erwartungsvoll an. Es war so spannend!

Martin brach die Stille, „Ja, also wie Du sicherlich schon gesehen hast ist Kristof-Øystein mit! Das hättest Du wohl nicht gedacht! Wir sind uns zufällig über den Weg gelaufen, im schwarzen Ferkel, in Berlin, beide auf Urlaub. Wir waren beide platt, als wir rausfanden – im Gespräch, weil wir uns sofort in die Arme liefen, dass wir uns alle drei kannten. Du hattest, genauso plötzlich, wie es anfing, die Kommunikation wieder abgebrochen. Da wollte er Dich auch unbedingt nochmal sehen. Die Idee gefiel mir ohnehin gut!“.

Richtig. Sein Name war ja genau genommen Kristof-Øystein. Die Norweger haben ja alle Doppelnamen. ‚K.-Ø.!‘ oder, wie von seinem Vater: ‚K.-Øy!‘, wurde er wohl damals immer gerufen, weil die Norweger das ja immer so tun bei den Doppelnamen. Und Papa lachte sich jedes mal halb schlapp, wenn er das hörte, oder gar selbst rief. Er war nämlich nicht nur immer schon ein großer Freund des Boxsports gewesen. Nein, als er seinerzeit in seiner Jugend Werbetexter bei IKEA in Schweden war, hatte er auch immer mal wieder Freundschaftsbesuche in der DDR oder auch umgekehrt aus der selbigen. Wie die dort immer ‚K.-Ø!‘ sagten, sobald es ums boxen ging, da hatte er immer grinsen müssen. Damals setzte sich der Vater noch bei der Namensgebung durch und so kam es, wie es gekommen war.

Na, und nun war K.Ø. eben mit von der Partie. Auch das ist typisch für die norwegische Künstlerbohême: Man verdrückt sich erstmal nach Deutschland und versucht dort sein Glück. Klappte ja auch meistens. Was wohl aus K.Ø. geworden war oder werden würde?

K.Ø. war black metaller inzwischen, also raus aus dem Kloster. Gut, eigentlich weiß ich gar nicht, ob er das nicht vielleicht immer schon war, seit wir uns kannten. Typisch norwegisch halt. Als ich ihm das vorhielt wurde ich belehrt: „Du spinnst wohl! Norweger sind das Allerschlimmste! Und bei weitem nicht jeder Norweger ist svartmetaller. Die meisten sind einfach nur Idioter!“

„Proust!“, sage ich und schaue Martin an, der ebenfalls grinst.

„Schlimmer als Max Mustermann und Otto Normal und Thomas Müller geht’s wohl kaum!“

„Habt ihr ’ne Peiling.“, kontert K.Ø., „Meine Landsleute, also de bokstavelige Landsleute, sind Menschener der übelsten Sorte. Wir haben die ganzen Festkens und Angewohnheiten wie bei euch in dem dritten Reiche, nur dass wir uns selbst für die aller größten Gutmenschen halten oder das meinen Aufführen zu müssen. Den Edle Ola Nordmann!“

Wir schauen uns alle eine Weile an. Es ist still. 

„Kristof!, dass ich Ich Dich noch mal sehe! Und Martin! Euch beide zusammen, Ihr wisst nicht, was mir das bedeutet.“, stammle ich, den Tränen nahe.

Es herrscht noch einen Moment länger andächtige Stille. 

„Wieso machst Du…“, sagen Martin und K.Ø., erst unisono, dann kurz aufkichernd, dann wieder fortfahrend: „Wieso tust Du Dir das an, Nagisa!“ Wir sind Deine Freunde und wir sagen Dir: hör‘ auf damit. Du bist uns zu wichtig, als dass wir Dir Lucretias Todeskuss oder Amor und Psyches Leid wünschen wollten.“

„Ich bin gerührt! Lasst uns doch einander erzählen, was aus uns geworden ist, oder warum und wie wir uns helfen wollen!“, proclamierte oder kündigte ich an, so genau weiß ich das nicht mehr, oder fahre einfach fort, „Ihr müsst dem brüderlichen Pakte jedoch sogleich zustimmen, sodass ich davon ausgehen kann, dass es euer Ernst ist!“

„Wären wir sonst nok hier?“, fragt K.Ø. verwundert.

Neuntes Kapitel

So war also dieser Pakt in diesem Augenblick beschlossene Sache. Erneut steigt die Spannung. Es war wie ein stummes Ringen, darum wer es wagen würde die Stille als erster zu brechen? Was, wenn ein anderer etwas wichtigeres zu sagen hätte? Es war, wie wenn sich zwei Leute in die Augen starren um festzustellen, wer das stärkste Augenpaar haben mochte. Nur, dass es hier drei Leute waren und es darum ging, den Blick nicht auf einem Opfer weilen zu lassen. Der wäre dann nämlich dran.

Es kam wenig überraschend dazu, dass alle Augen, sogar meine Eigenen, auf mir ruhten. 

„Es überrascht mich wenig, dass ihr mir das Wort überlasst. Soll wohl mein Selbstvertrauen stärken. Naja, was mich nicht umbringt, macht mich härter, hätte Nietzsche wohl eher sagen sollen. Stärker. So ein Blödsinn. Oder nochmal Nietzshit: Du willst eine Kurzgeschichte schreiben? Schreib‘ sie auf Englisch!“, breche ich alle Regeln des guten Anstands, oder des MO, wie es die Amis sagen. Sie schauen mich mitleidig grinsend an. Es ist schon erstaunlich. Gerade in dem Moment wird mir ihre ganze Lächerlichkeit und Heuchelei bewusst. Ich kichere beinahe drauflos.

Dann reichte mir Martin einen Hunderter und fügte dem, so quasi wie als Kärtchen samt Widmung an einem Blumenstrauß hinzu: „Stimmt so…“.

„Ich wette ich weiß, was passiert ist…“, fahre ich geheimnisvoll fort, „ich habe neulich erst ‚Trainspotting‘ von Irvine Welsh gelesen. Enjoy life? No? Yer phonie Lifelovers!“. Jetzt kichere ich wirklich. „YOLO? YODO!“.

Die beiden sehen mich irgendwie ein bisschen entsetzt an. Oder interpretieren meine spaßzerkniffenen Augen dies falsch?

„Ach nee!“, antwortet Martin mir naseweis: „Kennst Du ‚Fear and Loathing in Las Vegas‘? ‚Enter the Void‘? Von Gaspar Noé. Ich sage nur noch: och, noe, Gaspar! Schon wieder. Ich fand‘ ja schon ‚Menschenfeind‘ und ‚Irréversible‘ schlimm. Oder ‚Invisible‘ von Konstantin Bojanov? Oder Alice in Wonderland? Wenn man man von Filmen sprechen will?

„Ja, schon klar!“, sage ich etwas geknickt und angenervt, „Wenn ihr mir schon das Wort überlasst, dann tut mir bitte den Gefallen und redet mir nicht immer blöd dazwischen! Ich bin momentan nur auf Tramas, von so paar netten Altenpflegern, seitdem die scheiß Bullen hier mal ordentlich meinten durchgreifen zu müssen bekommt man kaum noch Heroin, und wenn ist es ganz schlimmes Zeug. Ich bin echt ein bisschen genervt. Also macht es mir bitte nicht unnötig schwer…“.

Zehntes Kapitel

Wir einigten uns darauf, dass jeder von uns den anderen ein Referat halten möge, über das, was ihn gerade beschäftigt. Da ich als erster an der Reihe war erzählte ich ihnen also das folgende:

„Diese Wildersdoku neulich, die ich im Elektromarkt vor einem Riesen Plasma-TV sah!… omg!

Natürlich war Mohammed ein Pädophiler, ein Soziopath und ANALphabet. Natürlich ist der Islam eine totalitäre, faschistische Ideologie. Natürlich sollte sich jeder halbwegs geistig zurechnungsfähige Mensch gegen den Islam stellen. Aber natürlich und unbedingt auch gegen das Christen- und Judentum.

Alle drei sind auf ihre ganz spezielle Weise und in ihren Auswüchsen arrogant, impertinent, rassistisch, chauvinistisch, sexistisch und vor allem POLITISCH. Wann, wann, wann haben die drei kranken Opis eigentlich einmal keine Politik gemacht? Religionsfreiheit, bitte. Aber raus mit euch aus der Öffentlichkeit mit euren perversen Symbolen und menschenverachtenden, reaktionären wie obsoleten Ansichten. Was ihr im Privaten tut geht mir echt am Arsch vorbei und wenn ihr euch auf den Kopf stellt und euch dabei selbst ins Gesicht spritzt. Eure Angelegenheit. Wohl bekomm’s! Oder dem Vordermann den Kopf in den furzenden Anus steckt! Oder am Fisch der Vorderfrau schnüffelt! Nicht umsonst gibt es Sheitan, Iblis, den Teufel: Jemand muss religiöse Menschen ja beaufsichtigen, damit sie nicht völlig durchdrehen.

Religion war schon immer eines: Politik. Es ist eine politische Regierungsform mit nur einem Ziel: totalitäre Machtausübung bis in den Intimbereich und kommende Generationen. Ja, die Menschenrechte, auf die wir heute unsere Verfassungen stellen, wurden in der Form  von JHW in seiner Allbarmherzigkeit und Allwissenheit leider jedesmal vergessen vernünftig zu formulieren. Die Entwicklung der Menschheit hat die der Religion schon längst überholt. Das Judentum (der Messias läutet das ersehnte Ende ein – wie geil, arme cash cows – wir bestimmen wer das ist!) war laut dem Koran das erste OS der Allah Inc. & Sons, das erste Serviceupdate war dann das Christentum (Ich bin der Messias für alle, das Ende ist nah! Kaufen Sie jetzt, bevor es zu spät ist!), schließlich kam dann mit dem OS ISLAM (pay as you wish or pay with your soul) noch die verbesserte Firewall hinzu. Bevor sich der kluge Leser an selbiger Stelle im Koran die Frage stellt, was mit OS 5.O  sein soll: ein paar hundert Seiten später ist wohl beim Korrekturlesen aufgefallen, dass OS I perfekt ist und es OS 5.O Apocalypse Edition folgerichtig niemals geben wird. Oups. Die armen Zeugen Jehovas, Mormonen, die Sunniten und Schiiten, Protestanten oder was auch immer für eine jüdische „Sekte“. You are completely wrong. Wo zieht eurereiner eigentlich die Linie zwischen Wahrheit und Dichtung? Im übrigen: wer den Koran gelesen hat und dann kein Muslim wird ist blöd und hat verschissen – man kann sich aber freikaufen, das geht – schließlich ist Allah ja kein Arschloch. Wofür braucht der denn eigentlich das Geld? Zikat, der 10., baby, bling, bling. Von den Juden und Christen kannte man das ja, aber dass jetzt auch noch Allah korrupt ist? Bekommt der nie genug? Da betet man ihn schon die ganze Zeit an und dann auch noch das. Wann kommt endlich OS 5.O? Zumindest das Ende der Welt? Bitte, JHW! Erbarme Dich! Die Genesis, my young pardawans, ist doch auch nichts anderes oder weniger performativ als Evolution ffs. Oder das ganze unnötige Getue mit Lehmklumpen, wenn ein bloßes „Hex, Hex!“ oder Fingerschnippen schon ausgereicht hätte, ach was rede ich – ein Gedanke. In der Vergangenheit waren Gesellschaften immer dort am weitesten, wo jeder sein Ding machen konnte, die pluralistisch waren, solange er oder sie oder hán niemanden anderes seiner Würde beraubte. Dazu ist sogar der Islam zu rechnen, der zeitweilig aus seiner Homophilie keinen Hehl machte und offengeistige, wissenschaftsliebende Gesellschaften zu verwalteten getaugt hat. Der Islam kann mitunter benutzerfreundlich sein. That’s a proven fact. Das, Christentum hingegen, hat die offenherzige Antike beinahe an die Wand gefahren. Das Christentum oder Judentum halte ich für wesentlich idiotischer. Wir sollten gegen solche kontraproduktiven Ideologien arbeiten und diese nicht noch unterstützen. Heute hacken sie alle auf dem Islam herum und beweisen damit eindrucksvoll, dass sie von der Aufklärung noch nie etwas gehört haben. Das nennt man Sub- und Kontext. Vor allem auch unserer Frauen wegen. Dieser Kameltreiberumgang von Nomaden war im Grunde niemals zeitgemäß. Manchmal und mit viel Einfühlungsvermögen kann man Gott ja schon so verstehen, als habe er irgendwie so etwas mit seinem wirren Genuschel an den wichtigen Stellen gemeint. Aber wir sagen ja auch nicht: gut, die RAF, das waren halt nur ein paar gläubige Kommunisten. Das ist schon ok. Es sind ja auch nicht alle in der RAF gleich radikal und schießwütig. Wir nutzen den Jugendschutz doch auch im weitesten Sinne aus um unliebsame ‚Kunst‘ aus der Öffentlichkeit herauszuhalten: warum nicht Die Bibel FSK 18 – wobei der Untertitel „Die Gute Nachricht“ keinesfalls auf dem Einband zu sehen sein darf. Wegen unlauterer Irreführung zu Marketingzwecken. Ich halte das dem Inhalt wegen für angemessen. Ich bin mir nämlich immer noch nicht im Klaren darüber, was GUT daran sein soll unter der Fuchtel eines zwanghaft prüden, omnipotenten, sexistischen, bipolaren Narzissten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung zu stehen. Man kann das Buch noch so blumig umformulieren. Wir drücken unseren Kindern doch auch keine an den unschönen Stellen verpixelten Splatterpornocomicbücher in die Hand.

Das würden wir wohl eher nicht tun. Im Gegenteil, die KPD ist in D sogar verboten, Mein Kampf war es bis vor kurzem auch und im sexshop gibt es auch noch keine Kinderabteilung.

Religionen nehmen sich heute noch Regalien heraus, die ihnen schlicht abgenommen gehören, wenn man konsequent ist. Und ja! In diesem Zusammenhang meine ich ganz besonders die Kinderabteilungen! Das gehört zumindest vom Staat engmaschig beaufsichtigt, das ist seine Pflicht verdammt noch mal. Dazu gehört auch die juristische Verfolgung und nicht: Hey, ihr irren Perversen! Verurteilt mal euren Perversen hier! Dazu gehört auch die vollständige Trennung ecclesiastischer Vereine vom Staat – dem Wohle aller. Die NPD ist ein bekanntes Thema. Gleicher Umgang mit gleichem. Nochmal, die menschenverachtenden Postionen sind unstrittig: Kondome? Abtreibung? Freiheit? Sexismus? Ausbeutung? Würdevolles Sterben? Das Bewerten von Menschen und deren Einteilung in Kategorien? Geh‘ bitte…

Es gibt aber auch Religionen oder Menschen mit Religiosität die sich dezenter aufführen, ohne dass ihnen das jemand sagen müsste. Was gibt es zu beklagen? Jeder nach seiner façon. Ich werde den Teufel tun und irgendwelchen fremden Kindern meine streitbare Weltsicht aufdrücken. Scientology (Ich weiß nicht nur was Du letzten Sommer getan hast. Ich sehe nämlich auch gerade, dass du mich anlügst. Du wirst noch eine Einheit brauchen!) gehört im übrigen nicht dazu, man könnte meinen es handle sich dabei um einen geleakten Prototyp von OS 5.O. Die Perfektion des neuen Beichtstuhls ist beeindruckend. Naja, auch schon Schnee von gestern: heute haben wir facebook (Ich könnt‘ mir vor dem Spiegel einen runterholen, so toll bin ich! – Dafür dass Du das bei uns über dich erzählen darfst, nerven wir dich nur ein bisschen mit Werbung und behalten uns vor alles was wir über Dich wissen weiterzuverscherbeln. Tut kaum weh! Außerdem machen es ALLE!). Geert Wilders halte ich natürlich trotzdem für ’nen Koffer und Kufar. Aber bevor ich es vergesse: dass Mohammed nicht lesen und schreiben konnte soll nicht heißen, dass ich Analphabeten diskriminiere. Im Gegenteil: lesen zu können erschließt einem eine ganz neue Welt. Es lohnt sich das zu können. Heute kann doch aber in Wirklichkeit praktisch jeder Christ, Muselman oder Jude lesen und schreiben. Wo ist da die Ausrede, zu sagen: ich lese aber nur dieses eine Buch, weil es ohnehin das einzig glaubhafte ist. Das könnte man höchstens dämlich finden. Zumal man ja auch schamlos Kassenzettel oder irgendwelche Zeitschriften liest, die in den meisten Fällen prägnanter, ansprechender, inhaltlich konsistenter und leichter nachvollziehbar sind, nahezu göttlich wie mit elaborierten barcodes, Steuer- oder ISBN-Nummern eine überzeugende Detailtiefe entsteht. Gott konnte nur grausige Metaphern und schlecht gezeichnete oder abstrakte Bilder, sofern er für diese überhaupt das copyright hergab.

Ich habe dann auch mal das Alte Testament, das Evangelium und den Quran gelesen und sogar auf Anhieb verstanden. Man müsste eigentlich nur eines dieser Bücher lesen um den inhärenten Schwachsinn zu entlarven, bzw. ein kurzer reality check oder Blick aus dem Fenster würde ja schon reichen. Aber das verlange ich ja noch nicht einmal. 

Abschließend möchte ich noch auf einen Einspruch eingehen, den praktisch jeder religiöse Mensch so oder so ähnlich irgendwann völlig unerwartet einwirft: Ja, aber – ohne Religion macht das ganze Leben doch überhaupt gar keinen Sinn! Ich könnte dies jedesmal einfach so stehen lassen, weil es im Grunde ja bereits für sich selbst spricht. Ich bewundere die Ehrlichkeit. Dennoch bitte ich darum zu bedenken, dass es manchmal auch lohnenswert sein kann über den Tellerrand hinauszuschauen. Wenn Dir mal wieder das Leben ohne Papa Gott nicht lebenswert erscheint: erfreue Dich an den vielen anderen Menschen, die ihre ganz eigene Strategie entwickelt haben, eine, die zu ihnen passt und die ihnen hilft durch den Alltag zu kommen – sei es mit einem anderen Gott, ohne Götter, mit Salami auf dem Nutellabrot, oder ganz ohne Fleischesgelüste.

Viel schlimmer wäre es doch, alle um Dich herum wären genauso plan- und anspruchslos wie Du. So könnte Dir keiner das Angebot machen, Dir das rauszusuchen, was dir gefällt! Oder es dir selbst einfallen zu lassen!“

Sie nickten mir beide anerkennend zu. „Das hast du skjønn gesagt!“, äußert sich K.Ø.. Jetzt bin ich gespannt, was von denen kommt, denke ich mir.

Martin schmunzelt. „Was?“, sage ich.

Und aus ihm sprudelt es heraus: „Muss ich Dich daran erinnern, dass Du vor gar nicht allzulanger Zeit selbst noch ein bisschen unreflektiert mit Deinem Glauben umgegangen bist? Aber ich freue mich ja…“

Elftes Kapitel

„Mir geht das ja mit den Veganistern total auf den Geist,“, erklärt K.Ø. darauf. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Er beginnt, in hervorragendem Deutsch von einem Zettel zu lesen:

„Ein paar Gedanken zum „trendy“ Veganismus, weil das ja so gerade so ‚fæsjån‘ ist in der Heimat, der amerikanophilen Heimat:

Veganer sind die besseren Menschen, richtig? Falsch. Veganismus hat nichts mit den ethischen Grundüberzeugungen eines Menschen zu tun. Hitler war zwar nur Vegetarier, aber was ich damit sagen wollte dürfte klar sein. Allerdings wäre der Veganer zumindest so gesehen besser als Hitler. Das ist immerhin schon einmal etwas auf das man sich etwas einbilden kann. Sagt mal: kennt ihr den comic: hipster hitler?

Aber, um auf den Punkt zu kommen: es ist schlichtweg vermessen zu behaupten, dass es moralisch verwerflich wäre Tiergulags für bluttriefende Carnivoren auszuschlachten, wohingegen das nicht minder monosomatische Horticultivieren und Niedermähen für saftstrotzende Herbivoren das non plus ultra sei. Schließlich hat das ganze dämliche Unkraut ja keine Gefühle oder sonst einen Sinn und Zweck oder Lebenswillen. 

Wieder einmal ist die Realität um einiges komplexer. Ich schwöre, wenn ich realivore sein könnte, ich wäre es sofort. Wir wissen inzwischen so einiges über Pflanzen und Anderes, Mikroorganismen z.B..

Bäume, die miteinander kommunizieren, intelligente Pilze, Vermeidungsverhalten dem Organismus zuwider laufender Einflüsse, den Nachkommen einen guten Start ins Leben ermöglichen, was noch und was nicht. 

Es ist also erstens schlichtweg bescheuert zu behaupten, wer sich vegan ernähre, sei dem Fleischfressern moralisch überlegen. Zum anderen, ob er es will oder nicht, isst er genauso die Nachkommen,  Bakterien, Pilze, Viren, das Chlorophyll, die Mitochondrien, und so weiter mit. Wenn man die Evolutionstheorie ernst nähme, müsste man selbst diesen eine gewisse Signifikanz  einräumen. Ist es denn zu leugnen, dass in ihnen die Wahrscheinlichkeit ruht, wie wir zu werden? Und das ist auch gut so; desinfiziertes, pasteurisiertes Essen würde jeden Veganer an seiner Neurodermitis sofort zu Erkennen geben. Soviel Medikamente könnte man gar nicht schlucken, als hätte man HIV sähe man aus. Aber auch wenn wir die Evolutionstheorie ernst nehmen (noch mal: an der es für mich keinen Zweifel gibt!), dann sind Mikroorganismen irgendwie bedeutsam.

Dadurch, dass unsere Haustiere und Pflanzen kultiviert werden, sind sie ein Teil von uns der mit uns steht oder fällt. The essence of cannibalism. Eine win-win/lose-lose Situation, sozusagen. Man stelle sich vor, wir würden uns nicht um sie kümmern. Wir hätten sie wohl schon längst ausgerottet,  weil sie von unserem Tellerchen essen, in unserem Bettchen schlafen, weil sie uns die Aussicht vermiesen oder in den frisch arrangierten Garten scheißen. Oder einfach nur weil es Spaß macht.

Aber wenn sich alle vegan ernähren würden, bräuchte man weniger Wasser und könnte mehr Menschen ernähren weil man mehr Anbaufläche zur Verfügung hätte, oder? Absolut! Es wäre ja schade, wenn eure Enkelkinder keine Probleme mehr hätten. Mehr Menschen haben noch nie weniger Probleme verursacht.

Wer allerdings auf eine vegane Ernährung aus gesundheitlichen Gründen setzt oder weil es ihm schmeckt, der soll das bitte auch benennen, statt den anderen immer mit ihrer Bibel unter der Nase herumzufuchteln. 

Leben, das heißt fressen, scheißen, saufen, pissen, ficken und gefickt werden während man wachträumend ist. Wo ist da die Moral dahinter?

Und immer: die babyrobben!, die babyrobben! Ihr seid so peinlich! I wunder myself: what is going to happen, when we are keeping on wagering war and destruction against nature. It’s not yet at war with us, luckily. They still give us a chance: turn around the wheelchair! Or else…“

Er konnte seinen Punkt machen. Das musste man ihm lassen. Obwohl ich jetzt nicht wusste ob, oder warum er die norwegischen Verhältnisse anprangerte. War er nicht ohnehin in Deutschland? Oder hatte er in Wirklichkeit eigentlich Deutschland gemeint, diesen Björn Höcke, als er hipster hitler erwähnte? Es musste wohl verklausuliertes Rätsel bleiben. Er antwortete auch nicht auf meine ausdrückliche Nachfrage hin.

Zwölftes chapter

„Kennt Ihr Mimi and Eunice? Nina Paley? Nope, nicht Sarah Palin! Nina Paley. Die ist großartig. Und clever. Wie sie open source mäßig ihren Geniestreich ‚Sita sings the blues‘ ‚vermarktet‘ ist beeindruckend! Müsst ihr euch anschauen, falls ihr den nicht kennt!“, wirft Martin lauthals ein. „Oder ihre Beiträge zum breeden! Großartig! Oder kennt ihr Chelsea Handler? Nicht so eine obnoxious Arme Leute und Biedermeierkloppies- Tante wie Anke Unlustig Engelke. Nope, die ist wirklich mal witzig, wobei der Humor natürlich darin begraben liegt, dass sie nur die Wahrheit sagt! Oder Steve Cutts! Ich wette das ist so ein bildhübsches, rattenscharfes, neunzehnjähriges, narbenbewährtes USamerican oder Canadian babe, das unter einem männlichen Pseudonym schreiben muss, weil sie fürchtet ihr würde sonst nur jeder auf die Titten glotzen und ansonsten nicht ernst nehmen! Ich meine c’mon: ‚Cutts‘, mehr borderline ging wohl auch nicht mehr. Und wer sind die meisten Borderliner? Na? Die Frauen!“

Wir kannten die Frauen nicht. Aber interessant klang es allemal. Eigentlich erwartet man bei Frauen ja für gewöhnlich ein faible für’s Eierlegen.

„Aber gut!“, fuhr er fort, „Ein paar Gedanken zum „trendy“ Klimawandel, weil das im Land ja gerade so populär ist:

Die Frage, ob das Klima sich wandelt ist eine rhetorische. Das tut es. Ob er menschgemacht ist, nun ja, es wäre zumindest bei unserem CO2 und Methanauswurf nicht völlig abwegig. Dass wir Einfluß auf die uns umgebenden Gasschichten haben, wissen wir seit den FCKW und wir haben diesbezüglich auch gelernt damit umzugehen. Ich weiß es, weil ich es mir selbst vor Ort angesehen habe. Zur Verbildlichung: ein bloßes Bächlein spült keine Stadt hinfort – staut man es aber und lässt alles Wasser auf einmal ab, schon.

Das schwierigste an der Sache ist aber auch nicht das ob, sondern das was an Direktiven daraus erwächst – nicht das Problem an sich ist problematisch, sondern dessen Lösung.

Eine andere Frage, die sich nur wenige zu stellen scheinen ist doch auch, wie sehr wir unser Klima dadurch verändern, dass wir den Orbit mit Satelliten zupflastern. Wenn gar kein Licht mehr hindurch scheint ist es am Ende auf dem Mond wärmer, CO2 hin oder her. Ich meine im weitesten Sinne das global dimming, auch wenn hier die Rauchlobby dahinterstecken mag. Ich kann mir nämlich bildlich vorstellen, dass unsere Planet aus weiter Entfernung nicht mehr blau zu leuchten scheint, sondern inzwischen vielmehr bläulich in der Sonne glitzert. Sehr oft gibt es nicht nur eine Wahrheit.

Ich sage dies im übrigen allen religiösen Agitatoren und Demagogen, die stoisch behaupten Gott habe ein perfektes System erschaffen über dem er als nemesis divina wachte. Selbst wenn: der Mensch ist das Problem und Gott keine Lösung! So sit down, lean back and shut the fuck up, please – we are now facing some serious turbulences.

Das wirklich schlimme an der Sache ist doch eigentlich, dass der Einzelne keinen Einfluss auf das Klima ausübt, so sehr er sich auch anstrengen mag. Es ist das Kollektiv. Deshalb ist es Aufgabe der Politik (StiW.: funktionale Differenzierung), sich darum zu kümmern; die Probleme, welche der einzelne nicht lösen kann, abzuarbeiten. Das ist Politik, alles andere ist willkürliche Diktatur, die nur allzu gerne auf Agitprop/Britpop zurückgreift. Und genau hier habe ich meine Zweifel und Schwierigkeiten, denn es ist schwer zu unterscheiden, was die Politik für den Einzelnen tut, oder was sie genießt, sich nur am Kollektiv bereichernd. Der Klimawandel ist mir scheißegal – das Problem ist schnell gelöst, bei dem Atomwaffenarsenal das wir besitzen, alle nachfolgenden Probleme wären irrelevant.

Man merkt schon, dass ich eine sehr vollgefressene, verdrossene Person bin, ja, Danke. Das ist wegen der latenten Genickschmerzen, die ich vom ständigen Kopfschütteln habe, also des Headbangens wegen vom Klassenarbeiten Korrigieren – ich weiß nicht was Ihr verstanden habt. Und mein Job trinkt doch mein Blut und nur mein Blut allein.

Wir wissen auch beim Klimawandel nicht was passiert. Es mag noch eine Weile gut gehen. Aber irgendwann knallt’s gewaltig. Ganz gewaltig. Du Nagisa hast es mir selbst einmal verdeutlicht. Die Flüchtlingsbewegungen, diese schieren Völkerwanderungen. Die Salzwasserleichen. Das ist alles erst der Anfang. Der erste Akt, dritte Szene.  Es wird noch weitergehen. Sich exponentiell zuspitzen. Mark my words!“

Martin blickte etwas besorgt und deprimiert drein, „Nein, es ist halt wie zum Haareraufen mit dieser Mitmenschheit! Wir denken immer nur an einzelne Szenarien aber vergessen stets wie alles ineinandergreift. Wann endlich legen wir die Drei-D Brillen ab und legen uns Facettenaugen zu?“

Det trettende eller det aller siste kapitlet

Ja, die sweet thirteen. Es war der Dreizehnte im Jahre dreizehn, damals, noch in der selben Woche, in der wir uns zum ersten  Mal zu dritt getroffen hatten.

Es war sehr spät in der Nacht, bald würde es bereits Morgen werden, dann würde es dämmern, dann wären die Alpträume hinfort! 

Doch so weit sollte es leider niemals kommen. Nein. Teufel nochmal. Wir waren zu Schlimmerem verurteilt, von wem auch immer genötigt zu sein wer wir sind.

„Kann ich?“, fragt Diogenes dann höflich, „Ich habe auch noch einmal hundert Euro (wobei er einen Hunterter zückt)“.

Ich glaub‘ mein Schwein pfeift! Das hatte ich doch nicht ernsthaft kommen sehen können. Herrje! Ich Hiob, ich armer Tor!

„Und ob ich auch kann?“, zückte K.Ø. den nächsten Hundrelapp.

Das war mir zuviel, da war ich dann K.Ø., wie der Sachse, wenn er über den Ausgang eines guten Boxkampfes spricht, zu sagen pflegt…

Und die drei Misfits lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Oder, und das sage ich jetzt wirklich nur um mich lustig zu machen über euren staatlich indoktrinierten Humor: bis dass das HIV sie scheidete.

Veröffentlicht von Agimar N. Edelgranberget

I am insane.

Ein Kommentar zu “Der glückliche Heroinist, der mir weiland in der Bahnhofsunterführung auffiel, zweiter Teil

  1. Ich bin über den zweiten Teil im Nachhinein überhaupt nicht mehr glücklich, finde ihn Schrott. Dennoch, es ist eine drei Jahre alte Geschichte und sie gehört halt der Vollständigkeit halber dazu. Wer nichts damit anfangen kann, den verstehe ich komplett, ich würde das heute nicht nochmal schreiben.

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