Das Märchen vom Ub0r-Uralphamann

© MMXVII Agimar N. Edelgranberget

In einer Zeit, da die Bäume noch hoch und grün waren, als da noch Monster so schaurig und grausam waren, als die Welt noch im schwarz-weißen Zwielicht lag, aber die Flüsse noch klar und die Seen tief und fischreich waren und in denen sich Nachts noch die Sterne spiegelten, da begab es sich, dass ein junger, anmutiger, starker, potenter Mann durch die Lande zog.

Freilich blieben seine Jugend, seine Anmut, seine Stärke und Potenz den Frauen nicht verborgen uns so wollten sie ihn alle zum Gemahle. Das gefiel dem jungen Herrn außerordentlich, dass er so umgarnt, bezirzt und verehrt wurde, dass er sich wünschte es möge immer so bleiben. In diesem Hoffen auf die Idee zu kommen sich festlegen zu wollen liefe der ganzen Sache sicherlich zuwider. 

Die Anzahl der Verehrerinnen aller Stände, allen Alters, aller Rassen, allen Einflusses, aller Körbchengrößen und allen Aussehens nahm stetig zu und zu, weshalb das Leben des Prinzen ein leicht sich leben zu lassendes war. Doch zunehmend gestaltete es sich schwieriger einen Termin mit dem Verehrten zu ergattern, so groß war die Konkurrenz. So ergab es sich, dass aus den Sirenen Furien wurden, Köpfe mussten rollen, Blut verlangte es vergossen zu werden und es wurde viel an den Haaren gezogen und ins Gesicht gekratzt.

Die Übrigen waren sich schließlich einig, dass es wohl am Sinnvollsten wäre, wenn alle ihn gleichermaßen zum Gemahle nähmen, so hätten alle das gleiche Anrecht. Penis-sharing war damals etwas ganz Selbstverständliches. Dem Silberrücken sollte dies naturgemäß nur recht sein, da für ihn alles beim Alten bliebe. Und so zeugte er weiter Kind um Kind. 

Natürlich war es das höchste Streben in dieser Gesellschaft, wenn nicht sogar in der ganzen Welt, vom Sugardaddy beglückt zu werden, weshalb es natürlich galt Mädchen zu gebären. Jungs wollte keiner, es waren allerdings doch auch sehr viele sehr häßliche, dicke, dumme, stinkende Schlampen unter den Ehegattinnen, weshalb dies für die weitere Fortpflanzung nur hinderlich gewesen wäre und diese zu Enthaltsamkeit dem Zölibat gezwungen wurden. Da ihr leben ohnehin in Einsamkeit, Nutzlosigkeit und Sucidalität enden würde, ging man mit Buben nicht anders um, als in der Eierindustrie: Die Hähnchen wurden nach der Geburt aussortiert und in einer sehr großen Maschine, die 24/7 am laufen war geschreddert. Reicht das? Nein, ich denke die Machine wurde gut genug beschrieben. Es war wirklich blutig und schon irgendwie brechreizerregend, wenn man es sich aus der Nähe ansah.

Dies ging gut, für eine Zeit. Eigentlich könnte man sogar sagen, dass es recht friedlich war. Sicher, die ein oder andere Kungelei, das ein oder andere böse Wort hinter vorgehaltener Hand über die Freundin, das ein oder andere Gekeife kamen natürlich vor, das geschieht in den besten Königshäusern und sollte nicht überbewertet werden. Die Aufmerksamkeit Allvaters war ja schließlich die beliebteste Währung überhaupt.

Groß war die Trauer, als der alte Mann, der vor noch gar nicht allzu langer Zeit die gründliche Pflege großbusiger Diakonissen in S/M-Dienstkleidung genossen hatte, dahin geschieden war. So alt wurde er im übrigen gar nicht – nicht dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht. Also – er sah aber schon irgendwie alt aus, das schon.

Nun denn. Plötzlich wurden die restlichen schwangeren Frauen wie die Heiligen verehrt. Ihre Empfängnis würde unbefleckt erscheinen müssen, denn – einen Vater gab es ja nicht mehr. Es würden doch hoffentlich ein paar Jungen darunter sein?

Oh, ja. Jungens waren darunter. Eigentlich sahen sie sogar fast süß aus, so als Baby und auch noch zum Teil bis ins Kindesalter. Einige sogar noch nach der Pubertät. Aber keiner war perfekt. Vielmehr unterschiedlich sehr weit von Perfektion entfernt. 

Zwanzig Jahre nach dem letzten baby-boom war die Stimmung am Tiefpunkt angelangt. Das Drama hatte sich endgültig manifestiert, daran gab es nichts mehr zu rütteln.  Zwar kamen alle mehr oder weniger nach dem Vater, aber irgendwie nur dort, wo es im Grunde nebensächlich war. Ein oder zwei waren okay-ish.

Um diese zwei, Romulus-Henry Casanova VIII Junior und Kain-Khan Guzman waren ihre Namen, because you don’t always name sex ’n‘ crime together, tied to each other with an ‚and‘ for no reason. Sex is crime and crime is sex. It’s a hendiadys, ladies. Both are simply about enforcing expectations, violence, brach selbstredend schnell Streit aus. Und ja, in einem Matriarchat wird der Nachname der Frau vererbt, bevor jemand blöde Fragen stellt. Wer schon einmal den Einfluss einer Schwiegermutter auf die Wahl des Namens eines Nachkommens erlebt hat, kennt auch den Ursprung ihrer Vornamen.

Natürlich besaß das Matriarchat auch eine krude Vorstellung von Gerechtigkeit. Es wurde also beschlossen und von allen akzeptiert, dass es einen Wettbewerb geben müsse, quasi bei einer Auktion der Männerware Währung zu sein. Beste Frau, bester Mann um es vereinfacht darzustellen. Schlüssel/Schloss oder Topf und Deckel, da gab es so manchen Euphemismus. In der Folge würde mit den männlichen Nachkommen stets genauso verfahren, bis, am Ende Jede einen passenden abbekommen hätte.

Was dachten sie sich nur dabei? Nun, nebst ihrer primitiven Vorstellung von Gerechtigkeit hatten sie auch ein eher amateurhaftes Verständnis von Genetik: Es war ihnen klar, irgendwann hätten sie wieder den perfekten Mann gekreuzt. Dann endlich, könnten alle Frauen wieder glücklich sein.

Deshalb, liebe Kinder, ist die Welt auch heute noch, wie sie ist: Voller hässlicher, dicker, stinkender und dummer Affen, die letztlich nur den Frauen zu gefallen versuchen. Dabei hofft jeder für sich, er sei der eine, der höchste, der tollste von allen. Schauen sie denn nicht in den Spiegel? Die Wiedergeburt des Einen ist fern wie eh und je. Und das ewig Weibliche zieht uns hinab.

Veröffentlicht von Agimar N. Edelgranberget

I am insane.

Ein Kommentar zu “Das Märchen vom Ub0r-Uralphamann

  1. Hier drehe ich die Dinge mal auf den Kopf, weil ich Satanist bin. Es ist nicht zu leugnen, dass viel des Üblen dieser Welt aus dem Patriarchat stammt. Ich halte es dennoch für eine Verkürzung der Sachlage, alles auf den Mann zu schieben. Frauen sind da nämlich nicht ganz so unschuldig, wie gerne verbreitet wird.

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