Kinderlos, Sie Arschloch! Teil 5/5 Nachwort

Nachwort

von Edelmohn A. Nekroberget

Mit seinem zweiten Werk „Kinderlos, Sie Arschloch!“ erschienen 2020 bei einem Verlag für geistige Brandstifter, zehn Jahre nach seinem Debutroman „Das Eerste Buch Lydia“, gelang dem enfant terrible der antideutschen Postaufklärung A. Nekromoon E., wieder nicht der Durchbruch. Während sein Erstlingswerk nur Wenigen bekannt sein dürfte, weil es mitunter der Selbstzensur und irrsinnigen Marketingtricks zum Opfer fiel, schlug dieses polemische Ungetüm beim deutschen Leser ein wie eine Neutronenbombe.

A.N.E., geboren im letzten Jahrtausend im westlichen Süden von Deutschland, den er selbst liebevoll „Nazi-Württemberg“ nennt, ist ein arbeitsloser Obdach-Loser, der sich bar jeden Erfolgs in der Tradition eines H. H. Jæger, eines H. Burger und anderer Bekloppter sieht. Nur deshalb kann ihm auch der klare Blick hinter den Vorhang, die Theke und den Spiegel, gelingen; eben weil er außerhalb der deutschen Gesellschaft steht — einem lauschigen Plätzchen, wie er nicht müde wird, zu betonen.

Schon in seinem Erstlingswerk „Das Eerste Buch Lydia“ (2010, erschienen im Selbstverlag, lim.100), fiel A.N.E. durch seine Liebe zum Detail, auch den grausamen Details, auf. Wie keinem Anderen, außer Edvard Munch vielleicht, gelang es ihm bereits damals, den Schrecken der Kindheit einzufangen. Wie es der Zufall so wollte, erschien dieses, sich mit Kindesmissbrauch beschäftigende Werk genau einen Monat vor den Enthüllungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in u.A. des Canisius-Kollegs, welches jedoch weit mehr Aufmerksamkeit erhielt, als sein Werk. Nun, fast genau zehn Jahre später — man möchte glauben A.N.E. veröffentliche Bücher stets nur zum Beginn eines neuen Jahrzehnts, folgt sein nächster Coup, der sich, erneut — wohl weil Kindesmissbrauch nach wie vor ein beliebtes Betätigungsfeld zu sein scheint, mit den Breedern und ihren Anmaßungen, beschäftigt. Diesmal jedoch nicht mehr so verklausuliert und metaphorisierend, sondern straight up in your face.

Ebenfalls augenfällig: Während er den Kern seines Erstlingswerks noch innerhalb von 36 Stunden auf weed, Absinth und Metamphetamin auf‘s Kafkaeskeste herunterschrieb, handelt es sich hier um das Resultat jahrelangen illegalen Drogenkonsums, was an den unterschiedlichen X, Vs und Is abgelesen werden kann. Nichts desto trotz, vielleicht auch deshalb, ist es gerade einmal halb so dick.

Sprachlich gelingt es A.N.E zwischen den Stilmitteln hin- und herzuspringen, gewieft wechselt er die Zungen öfter als seine Unterhosen, mal ist er total direkt, dann wieder spielt er den Witz über mehrere Banden, hier fällt man lachend vom Stuhl, dort hängt man brechend über der Schüssel. So scheut er sich mitunter nicht einmal davor, seine eigenen „Kinder:“ als rhetorisches Stilmittel der Reduplikation des Immergleichen zu missbrauchen. Gekonnt wirft er mit Zitaten und Anspielungen um sich (ohne aber jemals Quellen zu offenbaren, dann doch wieder), verweist hier auf einen Film, zeigt uns dort die Mona Lisa, lässt Unmengen streunender Katzen aus dem Sack, manipuliert den Gedankengang seiner Leser, regt zum Nachdenken und Gegengooglen (benutzen Sie besser duck duck) an und kommt doch letztendlich immer wieder selbst zu dem Schluss, dass diese Erkenntnisse stets vergebens bleiben müssen, eben weil das Problem der Mensch an sich ist. Doch wie er selbst immer wieder und mehrfach verschweigt: Wenn der Mensch Teil des Problems ist, muss er auch Teil der Lösung sein.

Aber es gilt auch Kritik zu üben: wohl um seine Argumentationskette nicht geplanter Obsoleszenz auszusetzen, verzichtet der Autor nahezu komplett auf positive Exempel des menschlichen Seins. Als ihn jemand einmal gefragt hatte, ob er das redlich finde, soll er im Suff geantwortet haben: „Ja geben Sie mir doch mal ein Beispiel, wo das bisher gut ausgegangen ist!“ Was er damit wohl meinte?

Ebenfalls unerträglich ist sein ständiges Kokettieren mit verbotenen Ideologien und Gedankengängen. Es geht einfach nicht an, Auschwitz zu relativieren. Der Holocaust war und ist eines der einzigartigsten, unvergleichlichsten Beispiele von Völkermord. Jeder Depp weiß, dass selbst wenn alle Behinderten, alle Sinti und Roma, alle Kommunisten, alle homosexuellen Juden und sogar die gesamte Menschheit auf industrielle, geplante Art und Weise (was, wie er behauptet, gerade jetzt zu dieser Zeit abliefe) für ein kümmerliches Weltbild oder eine schnelle Mark vernichtet würde, der Holocaust immer noch um einiges schlimmer wäre, weil man seinen Kindern zur Nacht davon erzählen kann.

Seine unreflektierte Verwendung sexistischen und rassistischen Vokabulars zur Veranschaulichung von Geisteshaltungen, verfehlt ebenfalls das Ziel, auch wenn er wohl der Meinung zu sein scheint, dass deren Nichtgebrauch am Wesen und Vorhandensein dieser geistigen Wiedergänger nichts ändere, sondern womöglich zum Gebrauch neuer, noch unsäglicherer Euphemismen führte. Wenn Sie ehrlich sind, lesen Sie doch auch viel lieber von Negern, als Maximalpigmentierten.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass A.N.E. sich stilsicher in Geschmacklosigkeiten suhlt. Insbesondere seine letzte Murd-Hypothese verdreht das Menschsein ins Groteske.

Mit seiner unbändigen Abscheu vor dem Menschlichen stößt A.N.E. jedem vor den Kopf, lässt den Leser verstört im Dunkeln zurück, nur um im nächsten Moment die Notbeleuchtung wieder anzuknipsen und einen Ausweg aufzuzeigen: die Ehrlichkeit.

Am besten vergleichen, falls Sie etwas auf die Empfehlung des Hauses geben, lässt sich das Buch mit der Arbeit der Gebrüder Grimm, auch jene haben nur Märchen gesammelt um der Nachwelt vor Augen zu führen, dass es sie immer noch gibt und, ja wirklich, schon erstaunlich, sie tatsächlich schon so alt sind.

Werden also auch Sie endlich erwachsen und sagen Sie Ihren Eltern: „Kinderlos, Sie Arschloch!“. Sofern es dafür nicht schon längst zu spät ist.

Oder wie Kant es heute ausdrückte: Der Vernünftige brütet hier nicht.

Ansonsten halten Sie hier gerade die vollständigste und umfassendste Sammlung von Entschuldigungen und Ausreden für breeder, die ein breeder sich nur wünschen kann, in den Händen. Seien Sie A.N.E. also zumindest dankbar.

Veröffentlicht von Agimar N. Edelgranberget

I am insane.

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