Gedichte aus dem Irrenhaus



Schnittstelldichein
© MMXX A.N.E.

Nebel nimmt der Welt die Schärfe,
zeichnet weich, was hart erscheint —
dass nichts mehr einen Schatten werfe,
denn alles ist im Dampf vereint.

Die Weite ist des Blicks beraubt,
und Stille folgt dem Weißgrau nach —
Wege schwinden sanft wie eingestaubt,
auch die Natur liegt gleichsam brach.

So gleitet man von Saum zu Raum,
als ist man wach und doch im Traum —
Oh, Herbst, möchtest Du ewig währen!

Durch die Wolken fallen Blätter leise,
Zu Ende geht auch diese Reise —
Ja, ein Todesfrost wird alles klären...




Spindeldürr
© MMXX A.N.E.

Ananke, ach — vom Zwiefall kranke!
Öffnest Tor und schließest Schranke,
Jetzt und dann und immerdar,
Bleibt die Welt als wie sie war:
Der eine hat‘s, der andre nicht;
Hier ist Dunkel, da das Licht —
Und Hel und Janus tanzen mit,
Und wir Menschen? Halten Schritt...???



Nekrodynia
© MMXX A.N.E.

Der Mond trieft Blut im Abendrot —
Saturnusbäume möchten ihn fassen;
sie sind mitunter nicht mehr im Lot,
muss ihr Streben unter’m Schleier verblassen.

So ergießt sich wogend über die Flur,
das kalte Teufelsbad der Nacht —
Weh, in der Ferne flüstert die Kirchturmsuhr;
es bleibt ein Gefühl nur, das bleiern macht.

Ein Nachtmahr trabt vom Moore her —
auf Pfaden bar der Wiederkehr,
und Troll und Fledermaus und Eule:

Einsam tun sie ihre Pflicht;
ach, wenn‘s erlischt, das schwarze Licht —
Kehrt sie zurück; des Tages ekle Fäule...

Veröffentlicht von Agimar N. Edelgranberget

I am insane.

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